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Heute ist es 12 Jahre her, dass der historische Führer der Revolution die transzendentale Rede in der Aula Magna der Universität von Havnna hielt. Photo: Jorge Luis González

Der 17. November 2005 war ein aufregender Tag an der Universität von Havanna (UH). Am Internationalen Tag des Studenten, an dem an jenem Tag des 60. Jahrestags des Studienbeginns des Comandante en Jefe an dieser Universität gedacht wurde, kamen Tausende von Studenten aus allen Teilen der Stadt auf den Hügel, auf dem sich die Universität befindet und warteten ungeduldig auf die Ankunft Fidels.

„Dieser Tag veränderte unser Leben für immer“, erinnert sich der Historiker Elier Ramírez Cañedo, der damals Vorsitzender des Studentenverbandes der UH war . Obwohl er damals fast keinen Platz mehr fand, sagte er, sei eine solche Vertrautheit entstanden, dass jeder das Gefühl hatte, Fidel würde zu ihm persönlich sprechen und ihm in die Augen sehen.

Mit seinen ersten Worten dankte er den dort versammelten jungen Leuten für ihr Kommen und und er äußerte so etwas wie eine Entschuldigung.

„Ihr wart so freundlich, euch heute an einen besonderen Tag zu erinnern: den 60. Jahrestag meines zaghaften Eintritts in diese Universität (...) Es hätte mir den größten Schmerz meines Lebens bereitet, wenn ich gerade zu diesem besonderen Anlass nicht an der Feier hätte teilnehmen können, zu der ihr mich eingeladen habt“, sagte Fidel.

Dieses Treffen war eine Rückkehr zu seinen Wurzeln, sagt der junge Historiker. Der Ort, an dem „die Sorge um diese Insel, diese kleine Insel“ begann, zu einer Zeit, in der „man noch nicht über Globalisierung sprach, es noch kein Fernsehen gab, es noch kein Internet gab und noch keine Sofortverbindungen von einem Ende der Welt zum anderen existierte, ja es kaum Telefon gab (...)“ erkärte der Revolutionsführer den an diesem Novembertag dort versammelten Jugendlichen.

Dass es sich bei seinen Zuhörern fast ausnahmlos um Jugendliche handelte, war auch kein Zufall. Laut Elier Ramírez „ sprach er zu den Studenten, in die er immer sein Vertrauen setzte, um ihnen einige Dinge zu sagen, die zu äußern ihm auf einer anderen Bühne nicht so angenehm gewesen wäre und wo er sich nicht so motiviert gefühlt hätte, sie auszusprechen“.

Fidel setzte sein ganzes Vertrauen in die kubanische Jugend Photo: Pedro Beruvides

Es war dies eine sehr kritische Rede. Der Comandante en Jefe führte an jenem 17. November eine Idee aus, die unausweichlich die Grundlage für das im rationale Verständnis eines jeden historischen Prozesses ist: die latente Umkehrbarkeit seiner Veränderungen.

So z.B. als er sagte, dass „unter den vielen Irrtümern, die wir alle begangen haben, der größte Irrtum der war, dass jemand den Sozialismus kennen würde oder dass jemand wüsste, wie man den Sozialismus aufbaut“.

Und er stellte die Frage, ob die Revolutionen dazu berufen seien, sich zu zerschlagen oder es es die Menschen seien, die bewirkten, dass sie zerfallen. „Können die Menschen verhindern, oder nicht, kann die Gesellschaft verhindern, oder nicht, dass die Revolutionen zerfallen? (...)Dieses Land kann sich selbst zerstören, diese Revolution kann zerstört werden ...wir können sie zerstören und es würde unsere Schuld sein“.

Trotzdem war Fidel gleichzeitig sehr optimistisch. Er vertraute auf die Fähigkeit des Volkes und besonders auf die der Jugend, die er aufrief, sich den wichtigsten inneren Problemen unseres Landes zu stellen, fügt er hinzu.

„(...) Wenn wir in die Schlacht gehen, müssen wir Projektile größeren Kalibers benutzen, mir müssen kritisch und selbstkritisch sein, im Klassenraum, in der Partei und später außerhalb der Partei, danach in der Gemeinde und im ganzen Land“, sagte der Comandante en Jefe vom Podium dieses Saals aus, wo in einer Urne aus Marmor die sterblichen Überreste des Philosophen und Geistlichen Félix Varela ruhen.

Deswegen markieren seine Worte „ein Vorher und ein Nachher“ im Verlauf der Revolution.

„Er legte das Hauptaugenmerk auf die eigenen Fehler; diese sind gefährlicher als alle Maschinerie unserer mächtigsten Feinde. Denn wenn es diese Probleme, die Fidel aufzeigte nicht gäbe, wie Verschwendung, Korruption, Bürokratie und andere Übel, könnte kein Feind, so mächtig er auch wäre, seine Ziele erreichen“, erklärt der Historiker.

Das bedeute nicht, dass Kuba die Bedrohungen von außen ignorieren solle, „ sondern, dass wir gleichzeitig jenen selbst verschuldeten Übeln, die die Revolution zerstören könnten, mehr Aufmerksamkeit widmen sollen“, fügt er hinzu.

Fidel konnte es in seiner Rede nicht deutlicher sagen: „Dieses Land kann sich selbst zerstören, diese Revolution kann zerstört werden, die anderen können sie heute nicht mehr zerstören – er bezieht sich auf die Imperialisten- aber wir, wir können sie zerstören und es würde unsere Schuld sein“.

Das bedeute nicht, dass der äußere Feind keine Bedrohung mehr darstelle, stellt Ramírez fest, sondern „er rief dazu auf, unsere Sicht über diesen Feind zu erweitern, denn was den inneren Feind angeht, so gab es gefährliche Verbündete des nördlichen Nachbarn, die ihm die Arbeit erleichterten“.

Auf diese Weise „legte Fidel offen, dass die Unverletzlichkeit der Revolution nur durch die Überwindung dieser inneren Übel erreicht werden kann“, sagt Elier, dem man immer noch ansehen kann, dass ihn diese Rede damals bewegt hat.

Die Worte Fidels waren magisch und „wir alle erlagen dieser besonderen Fähigkeit, die er hat, uns zu mobilisieren. Es war ein Schlachtruf“.