OFFIZIELLES ORGAN DES ZENTRALKOMITEESDER KOMMUNISTISCHEN PARTEI KUBAS
Fidel Castro und eine Gruppe von Revolutionären im mexikanischen Exil (Foto: Archiv)

Es war ein normaler Donnerstag am Flughafen José Martí in Rancho Boyeros, als der unmittelbar bevorstehende Start eines Fluges angekündigt wurde. Ein junger Anwalt, groß gewachsen und kräftig, in einem abgetragenen grauen Winteranzug verabschiedete sich von zweien seiner Schwestern. Man schrieb den 7. Juli 1955. Am Vortag hatte die mexikanische Botschaft in Havanna das Touristenvisum Nr. 2963 ausgestellt – gültig für die Dauer von sechs Monaten für einen gewissen Fidel Alejandro Castro Ruz

Mehrere Agenten, camoufliert in Zivilkleidung, obwohl ihr Polizeigehabe sie verriet, beobachteten die Gruppe um den jungen Anwalt, um den sich mittlerweile mehrere andere Anwälte, Anhänger der Orthodoxen Partei, und Frauen von der Martianischen Bürgerfront geschart hatten. Als die Maschine abflog, wandte sich der Moncada-Kämpfer Jesús Montané an verschiedene Presseorgane und verteilte an sie die Abschiedsdeklaration Fidels.

In dieser erklärte der Revolutionsführer: “Ich verlasse Kuba, weil man mir alle Türen zum bürgerlichen Widerstand verschlossen hat. Nach sechs Wochen in den Straßen bin ich mehr denn je überzeugt, dass es Absicht der Diktatur ist, 20 Jahre an einer Macht zu bleiben, die unterschiedliche Verkleidungen annehmen und – so wie bisher regiert mit Terror und Verbrechen – die Tatsache ignorieren wird, dass die Geduld des Volkes Grenzen hat. Als Martianer glaube ich, dass nun die Stunde gekommen ist, uns die Rechte einfach zu nehmen statt uns weiter um sie zu bewerben, sie den anderen zu entreißen statt sie zu erbetteln. Ich werde mich irgendwo in der Karibik aufhalten. Von Reisen wie dieser kehrt man entweder nicht zurück oder aber man kommt wieder, wenn die Tyrannei stehend enthauptet ist.“

Tage vor Antritt seiner Reise hatte die Zeitschrift Bohemia ihn in eine Umfrage über die Rückkehr Carlos Prios einbezogen, der drei Jahre zuvor durch einen Putsch Batistas vom Präsidententhron gestürzt worden war. Fidel prognostizierte zu einem Leben des früheren Amtsinhabers unter der Diktatur: „Wird man ihn reden lassen? Wird man ihn in einem TV-Programm erscheinen lassen? Wird man ihn schreiben lassen? Wird man ihm öffentliche Auftritte bewilligen?“

In einem anderen Moment des journalistischen Gesprächs, als er sich auf die Abwesenheit von Freiheit und das Fehlen von staatsbürgerlichen Rechten unter dem Regime bezog, stellte er das Beispiel seines Bruders Raúl vor, der den Weg des Exils habe gehen müssen, angeklagt, „eine Bombe in einem Kino in Havanna platziert zu haben, während er sich in Wirklichkeit tausend Kilometer entfernt bei unserem kranken Vater in der Provinz Oriente aufhielt“.

Auf eine andere Frage antwortete er: „Ich glaube nicht mehr an Wahlen. Für die Bevölkerung sind alle Türen zum bürgerlichen Kampf zugeschlagen. Es gibt keine andere Lösung mehr als die von 68 und 95. Man muss die Schande wieder gutmachen, die dieses Regime für all die bedeutet, die für die Würde Kubas ihr Leben gelassen haben – von Joaquín de Agüero bis zu Jorge Agostini.“

An jenem 7. Juli 1955 betrat Fidel mexikanischen Boden und am nächsten Tag konnte er Raúl in die Arme schließen. Seine ersten Kontakte waren die mit Exilkubanern, unter ihnen Nico López. Durch sie machte er im kleinen Apartment von María Antonia González, einer in Mexiko wohnhaften kubanischen Patriotin, die Bekanntschaft eines argentinischen Arztes, Ernesto Guevara de la Serna.  

Der Che erinnerte sich Jahre später: „Bei unserer ersten Diskussion ging es um internationale Politik. In den wenigen Stunden dieser Nacht – in der Morgendämmerung – ließ er schon den künftigen Expeditionär erahnen.

Einige Tage darauf ging der Revolutionsführer, begleitet von einem Freund, um den republikanischen Militär Alberto Bayo aus Spanien zu treffen, den er dazu verpflichtete, ihn die Taktik des Guerillakrieges zu lehren. Seine Vorstellung war die, mit dem Training unverzüglich zu beginnen,

Über diese Tage gestand Che seiner Compañera und späteren Ehefrau Hilda Gadea: „Nico hatte Recht, als er uns sagte, dass, wenn seit Martí irgendetwas Gutes aus Kuba hervorgegangen ist, dies nur Fidel sein kann. Er wird die Revolution machen. Wir waren uns völlig einig, dass man nur für eine Person wie ihn bereit wäre, alles zu tun.“