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Der Ingenieur Julio Jiménez Vázquez, eine Autorität auf diesem Gebiet, versichert , dass die horizontalen Bohrungen von äußerst hoher technischer Komplexität sind. Photo: Ventura de Jesús García

Varadero - Jeder kann sich leicht vorstellen wie schwierig eine Ölbohrung sein kann. Es handelt sich hier nämlich um eine Arbeit die ständig weitergeht, die nie unterbrochen wird und der Dutzende von Spezialisten die größte Aufmerksamkeit schenken.

Die dafür erforderliche Zeit wird in langen Monaten bemessen und bedauerlicherweise ist es oft so, dass die lange Zeit der Selbstdisziplin am Ende nicht die erhofften Ergebnisse bringt. Anders ausgedrückt: Bohrungen nach fossilen Brennstoffen sind ein kostspieliges und mit hohem Risiko verbundenes Unternehmen.

Es ist einleuchtend, dass es sich hier nicht um ein landläufiges Loch handelt. Es ist dies ein Kampf, um an die Eingeweide der Erde zu gelangen, ein Prozess, der fortgeschrittene Technik und immense finanzielle Ressourcen erfordert.

Für den Ingenieur Julio Jiménez Vázquez, bei der Kubanischen Erölgesellschaft (Cupet) zuständig für Bohrungen, ist das segensreiche Loch nichts Anderes als ein Weg, um die Vorkommen, die sich unten befinden, mit der Oberfläche in Verbindung zu bringen und er behauptet, um dies zu einem glücklichen Ende zu bringen, sei es unerlässlich, zu wissen wie man sich mit Hoffnung und Geduld wappnet, während man sehnsüchtig auf die große Nachricht wartet.

Er weist daraufhin, dass die täglichen Kosten sich je nach Art des Bohrlochs sehr wohl auf zehntausende Pesos belaufen können (CUP und CUC zusammen) und dass man jeden Tag auf die winzigsten Details achten und eine Menge unvorhergesehener Probleme lösen müsse.

„ Das Bohrloch wird danach Jahre lang ausgebeutet werden und die Informationen, die man daraus erhält, sind wichtig für zukünftige Perforationen“, sagt Jiménez Vázquez.

HORIZONTALE BOHRUNGEN

Grafik einer horizontalen Erdölbohrung. Photo: Granma

Die Schwierigkeiten werden noch größer, wenn es sich um technisch komplexe horizontale oder direktionale Bohrungen handelt, wie die letzten, die im Gebiet von West Varadero von dem Bohr- und Förderunternehmen EPEP-C durchgeführt wurden. Sie beginnen an Land und erreichen Rekordentfernungen in den territorialen Gewässern.

Experten erkennen an, dass das in diesem geographischen Abschnitt von Matanzas durchgeführte Programm eine Schule für Geologen und mit der Förderung und der Bohrung in Verbindung stehende Personal des Landes gewesen sei.

„Die Suche nach Erdöl war vorher vergleichsweise einfach. Die Bohrungen waren vertikal, zwischen 1.200 und 2000 Meter Tiefe mit geringem Neigungswinkel. So war das bis zum Jahr 2000, als seismische Studien und Probebohrungen enthüllten, dass die Vorkommen in Varadero sich nordwestlich unter dem Meeresboden erstreckten.“

Jiménez Vázquez erklärte, dass ab dann das Verfahren geändert wurde und mit den Bohrungen der horizontalen Löcher in der Nähe von Boca de Camarioca, einer Ausdehnung der Vorkomnisse von Varadero, begonnen worden sei, den ergiebigsten des sogenannten Nordstreifens des Schweröls zwischen Havanna und Matanzas, wo 97% der Produktion der fossilen Brennstoffen und des Gases des kubanischen Archipels lagern.

„Das erste erweiterte Bohrloch war das Varadero 1000. Man hatte bereits insgesamt neun abgeschlossen mit bemerkenswerten Produktionsergebnissen. Zur Zeit bohren wir das Varadero 1008, das das mit über acht Kilometer Länge die ausgedehntest Bohrung ist und so unser Land zur Weltelite bei den horizontalen Bohrungen großer Reichweite gehören lässt.“

Er betonte, dass seit dem Beginn der Bohrungen am 18. Dezember 2016 alles gemäß den international herrschenden Regelungen erfolge und man bis heute etwas über 1,3 km gebohrt habe. Er sagte, dass nicht alles so verlaufe, wie man es gerne hätte, denn der tägliche Fortschritt liege unter dem vorher errechneten.

„Wir trafen auf kein ernsthaftes Hindernis, aber das unterirdische Felsengestein ist extrem hart und verlangsamt das Fortkommen jeden Tag mehr; es zwingt uns vorsichtig zu verfahren, um das Auswechseln des Bohrers zu verhindern“, sagte der Ingenieur, nachdem er auf die heterogenen geologischen Formationen der Region hingewiesen hat, die eine Bohrung erschweren.

Aber um dieses ambitionierte Ziel der Perforation dieser Erdölfelder zu erreichen, muss das Land für einige höchst spezialisierte Dienstleistungen Verträge mit ausländischen Unternehmen abschließen.

Es geht dabei um äußerst kostspielige Spitzentechnologie, die nur für die reichen Länder erschwinglich ist. Dabei handelt es sich um eine Kombination von Technik, die unerlässlich ist, wenn man bis zu den unterirdischen Feldern vorstoßen will, wo das Erdöl gelagert ist.

So war es z.B. für die Bohrung des Varadero 1008 notwendig, von der staatlichen chinesichen Gesellschaft „Große Mauer“ einen Turm mit einer Kraft von 3000 PS zu mieten, denn die Ausrüstung, über die Cupet verfügt, hat nicht die Kraft in einer Entfernung von über 8000 Metern zu bohren.

VARADERO 1008

Wenn man sich dem Bohrloch Varadero 1008 nähert, fällt einem ein gigantisches Gebilde ins Auge.

Von großem Arbeitseifer angetrieben, scheinen einige in roten und blauen Overalls davon besessen zu sein, zu erfahren was unter der Erde vor sich geht.

Das gesamte Team ist sich der wahrhaften Herausforderung bewusst, die dieses, das ausgedehnteste Ölfeld Kubas, in sich birgt.

Einer der Männer, der Prüfungsleiter Ingenieur Elber Smith Armenteros, analysiert die Daten von seinem Häuschen aus. Er verfolgt die Entwicklung der Bohrung und wird dabei von den übrigen Experten unterstützt, die Tag und Nacht von anderen Häusern aus, den Prozess überwachen.

„Wir arbeiten in Schichten von 12 Stunden. In meinem Häuschen ist die Überwachungsgruppe. Von hier aus wird der ganze Prozess verfolgt und es besteht die Verbindung mit allen anderen Bereichen. Jeden Tag um acht Uhr morgens machen wir eine Art Überprüfung, um Abstimmungen vorzunehmen und mögliche Eventualitäten zu analysieren:“

Der Bürgermeister, wie ihn alle nennen, legt besonderen Wert darauf, dass sich alle gut fühlen. Die Ernährung ist gut und die Unterbringungsmöglichkeit auf dem Arbeitsplatz ist angemessen.

An jedem Tag werden alle von ihm herzlich begrüßt. Alle sind sich sicher, alle Anforderungen zu erfüllen und alle haben die Hoffnung bald Erdöl zu finden.

Aber in diesem Fall ist der Tag noch entfernt, an dem sie die schwarze Flüssigkeit fließen sehen können. Vor ihnen liegt noch eine lange Zeit unermüdlicher Arbeit.