OFFIZIELLES ORGAN DES ZENTRALKOMITEESDER KOMMUNISTISCHEN PARTEI KUBAS
Tim Cole, Botschafter des Vereinten Königreichs in Kuba Foto: Radio Habana Cuba entnommen

Der britische Botschafter in Havanna Tim Cole empfing im vergangenen Jahr Mick Jagger während des Überraschungsbesuchs der Frontfigur der Stones in seiner Residenz in Vedado. „Mick Jagger gefiel Havanna sehr. Er war mit seinem Sohn hier und sie besuchten mehrere Örtlichkeiten. Er sagte mir, er fühle sich ausgesprochen wohl und die Erfahrung sei eine sehr gute“, äußerte der Botschafter im Interview mit Granma.

Nach Jaggers Besuch verstärkten sich die Gerüchte um ein mögliches Konzert der Rolling Stones in Kuba – etwas, das kaum fünf Monate nach dem Spaziergang des berühmten Sängers durch Havanna Wirklichkeit werden sollte.

Tim Cole, der an den Vorbereitungen des Konzerts beteiligt ist, versicherte, das heiß ersehnte Spektakel der Stones am kommenden Freitag in der Sportstadt werde ein „historischer Event auf Weltniveau. Ich weiß, dass alle Kubaner hohe Erwartungen an dieses Konzert knüpfen. Es wird etwas ganz Großes werden. Als Botschafter bin ich hocherfreut, Zeuge dieses Ereignisses sein zu können. Zweifellos ist dies das beste Beispiel für die kulturellen Bande, die beide Völker miteinander verbinden, und es wird zeigen, dass zwischen dem Vereinten Königreich und Kuba Respekt, Bewunderung und Leidenschaft bestehen“, meinte der Diplomat zu Anfang des Interviews, in dem auch die Beziehungen zwischen beiden Ländern zur Sprache kamen.

In den letzten Jahren hat man eine verstärkte Promotion englischer Kultur und Musik in Kuba wahrgenommen. Wie bewerten Sie diesen Austausch und seine Aufnahme durch das kubanische Publikum?

Man hat eine stärkere Förderung der englischen Kultur in Kuba wie auch der kubanischen Kultur in England feststellen können. Es ist ein wechselseitiger Austausch. In unseren Ländern gibt es für beide Kulturen Respekt und Bewunderung. Zum Beispiel bewundert man in Kuba sehr die britische Musik. Ich war völlig überrascht über die Begeisterung, die die Beatles hier ausgelöst haben. In Bayamo war ich in der Beatles-Bar. Die vier Statuen der Musiker stehen davor. Ich glaube, man hat die Beatles hier mehr gehört als anderswo, London eingeschlossen. Außerdem gibt es den Lennon-Park in Vedado. Man hat übrigens schon britische Musiker hier auftreten sehen: Simply Red, Asian Dub Foundation, Manic Street Preachers.

Auf der anderen Seite existiert seitens britischer Musiker ein enormes Interesse, die kubanische Kultur kennenzulernen. Die Konzerte von Buena Vista Social Club und Havana D’ Primera wie auch die Auftritte des Ensembles Rakatán haben große Wirkung gezeigt und waren sehr erfolgreich.

Im Bereich der Literatur wollen wir in Kuba an den Tod William Shakespeares vor 400 Jahren erinnern. Diese Würdigung wird in der ganzen Welt begangen werden und auf der Insel haben wir, um seiner zu gedenken, viele Aktivitäten geplant.

In den letzten Monaten haben wir Begegnungen mit bedeutenden britischen Künstlern organisiert. Als Beispiele seien hier Peter Brown, der Ex-Manager der Beatles, erwähnt, der mit den Kubanern über seiner Erfahrungen mit den „Fab Four“ geredet hat, und der Schauspieler Ian McKellen, vor allem bekannt durch seine Darstellung der Figur des Gandalf in „Herr der Ringe“.

Als Resümee kann man festhalten: Es ist unser vordringliches Ziel, die britische Kultur in Kuba noch populärer zu machen und andererseits dafür zu sorgen, dass die Briten die Geschichte und die Kultur Kubas besser kennenlernen.

Während Ihrer vier Jahre als Botschafter in diesem Land haben Sie auch Kontakte zum kubanischen Sport geknüpft. Könnten Sie einige der Projekte benennen, die in dieser Hinsicht entstanden sind?

Wir haben eine Einverständniserklärung mit dem INDER (Kubanischer Sportverband) unterzeichnet, um den Sport in diesem Land zu fördern. Zum Beispiel spielt man in einigen Gemeinden Kubas und an kubanischen Universitäten Kricket, einen Sport, der im Vereinten Königreich sehr populär ist. Die Fertigkeiten, die das Baseballspiel verlangt, sind denen des Kricket sehr ähnlich. Rugby ist ein weiterer Sport, den wir gern gemeinsam mit dem entsprechenden kubanischen Verband fördern möchten. Derzeit haben die kubanischen Rugby-Spieler bereits ein ziemlich hohes Niveau. Darüber hinaus unterstützen wir verschiedene Initiativen der kubanischen Leichtathletik-Föderation. Sicher ist, dass es ein großes Interesse auf Seiten der Sportwelt des Vereinten Königreiches am Sport in Kuba gibt, besonders an Sportarten wie dem Boxen.

Wie ist es um die bilateralen Beziehungen zwischen beiden Ländern bestellt?

Sehr gut. Es gibt gewohnheitsmäßige Treffen zwischen britischen und kubanischen Instanzen wie auch zwischen kubanischen und britischen Unternehmern. Wir pflegen einen exzellenten Austausch in verschiedenen Sphären wie zum Beispiel der Kultur, der Wirtschaft und dem Sport. In den letzten vier Jahren haben sich diese Beziehungen verstärkt. Der kubanische Botschafter in London hat bei alledem eine sehr wichtige Rolle gespielt. Im August endet meine Funktion in diesem Land. Es war für mich äußerst faszinierend, in Kuba zu arbeiten. Es wird mir eine unvergessliche Erfahrung sein, einem Konzert der Rolling Stones in Kuba beizuwohnen. Ebenso unvergesslich wird es für all jene sein, die diesen historischen Moment miterleben werden.

Das Szenario für das Rolling Stones Konzert in der Sportstadt Havannas Foto: Yander Zamora

Der Auftritt wird nicht live übertragen werden

Die Rolling Stones wollen, dass das Konzert in Kuba das beste der gesamten Olé Tour wird und werden eine neue Technologie aufbieten, die sie nicht bei den anderen Events in Lateinamerika benutzt haben, teilte Osmany López, Vizepräsident des Kubanischen Musikinstituts (ICM), Granma mit.

Der ICM Manager erklärte, Mick Jagger sei sehr enthusiastisch, was das Inszenieren dieses Konzerts mit dem modernsten Audiosystem, das in der Welt existiert, angehe. Ein Großteil der Infrastruktur sei vollständig neuartig. Sieben Großleinwände werde es auf dem Gelände der Sportstadt geben. Wie schon bei den vorherigen Auftritten werde die Show nicht live im Fernsehen übertragen; dies sei bei Konzerten der Rolling Stones allgemein nicht üblich. Es werde aber eine Dokumentation erstellt, die man, projiziert auf TV, einige Wochen später in Kuba zeigen werde.