OFFIZIELLES ORGAN DES ZENTRALKOMITEESDER KOMMUNISTISCHEN PARTEI KUBAS

Zum ersten Mal in über einem halben Jahrhundert beginnen einige Investitionen durch die Meerenge von Florida zu fließen, um dem politischen Wandel, der am 17. Dezember 2014 von den Präsidenten Raúl Castro und Barack Obama eingeleitet wurde, Inhalt zu verleihen.

Das Unternehmerforum, das am Montag im ehemaligen Holz- und Tabaklager von Habana Vieja stattfand, welches restauriert wurde, um es in eine kleine Bierbrauerei zu verwandeln, brachte das Potenzial der Beziehungen zwischen den beiden Ländern klar zutage, aber auch die Hindernisse, die aufgrund der Blockade weiter bestehen.

Auf dieser Mole der Bucht von Havanna tauschten sich Führer von Unternehmen der USA mit ihren kubanischen Gesprächspartnern aus, die ein breites Spektrum der auf der Insel bestehenden Eigentumsformen verkörpern, von Selbstständigen und Kooperativen bis hin zu gemischten oder komplett öffentlichen Unternehmen.

„Kuba ist vollkommen offen für den Handel mit den Vereinigten Staaten“, sagte gegenüber Granma Aurelio Mollineda, Generaldirektor der Unternehmensgruppe des Außenhandels. „Wir stellen die Öffnung der Unternehmen und des kubanischen Volkes im Allgemeinen unter Beweis“.

Mollineda führt an, dass der Schlüssel eines jeden Geschäfts darin bestehe, die Normen der Parteien zu verstehen und anzuerkennen, um einen gemeinsamen Nenner zu finden. „Dies wird immer dann erreicht werden, wenn ein Interesse besteht und ein gesetzlicher Rahmen existiert, der dies zulässt“.

„In Kuba, fügt er hinzu, besteht dieser Raum, weil wir niemanden blockieren. Es liegt an den Vereinigten Staaten, die Blockade aufzuheben und uns zu erlauben, ohne Beschränkungen mit jedem Unternehmen der Vereinigten Staaten zu verhandeln“.

Zusammen mit Präsident Barack Obama kam in dieser Woche eine Gruppe von Geschäftsleuten an, die vorhaben, mit konkreten Verträgen zurück zu kehren. Starwood, das im vergangenen Jahr vom multinationalen Unternehmen Marriott für über 12 Millionen Dollar aufgekauft wurde, unterzeichnete ein Abkommen mit seinen kubanischen Geschäftspartnern für die Restaurierung und Betreibung dreier Hotels auf der Insel, darunter das emblematische Hotel Inglaterra, das Teil seiner Luxuskollektion sein wird, wie Vertreter des Unternehmen gegenüber der ausländischen Presse äußerten.

Photo: Juan Pablo Carreras / AIN

Innerhalb des ersten Geschäftsvorgangs dieser Art seit 1959 wird erwartet, dass das Hotel Santa Isabel, ein kleiner Kolonialpalast im Herzen von La Habana Vieja, in ihren erstklassigen Katalog eingeht, während das bescheidenere Hotel Quinta Ave­nida, in Miramar, in die Economy Class einbezogen werden soll.

An dem Treffen, an dem auch Präsident Barack Obama teilnahm, waren Saúl Berenthal und Horace Clemmons zugegen, die Gründer eines Unternehmens für Traktoren, die im vergangenen Februar weltweit in den Schlagzeilen standen. Cleber, dessen Name aus der Verbindung der Familiennamen der beiden Gründer entstand, wurde zum ersten US-Unternehmen, das eine Lizenz der OFAC erhielt, um eine Fabrik in der Sonderentwicklungszone Mariel zu errichten, dem wichtigsten Projekt zur Erweiterung der ausländischen Investition in Kuba. Dort wollen sie jährlich etwa eintausend Traktoren für die kubanische Landwirtschaft und den Export herstellen.

Wie sie kürzlich gegenüber Granma äußerten, werden sie in wenigen Tagen bereit sein, um bei den Behörden von Mariel ihr Projekt einzureichen und die üblichen Formalitäten zu dessen Bestätigung zu absolvieren.

Vor dem Ende des Besuches von Obama werden auch andere wichtige Abkommen in Bereichen wie Handel und Seetransport verhandelt werden.

Die kubanischen Unternehmen sind ihrerseits daran interessiert, ihre führenden Produkte auf dem US-Markt anzubieten, etwas, was nach wie vor untersagt ist.

Juan González, Präsident von Cuba Ron, bestätigte, dass sobald der Markt der Vereinigten Staaten geöffnet werde, sein Unternehmen in der Lage sei, so viel erstklassigen Rum wie notwendig zu exportieren.

Er fügte an, dass die kubanischen Rum-Meister sogar jene Getränke bereit halten, die im vergangenen Jahrhundert extra für den US-amerikanischen Markt gestaltet worden waren.


DAS KUBANISCHE UNTERNEHMERTUM

Das wahre Interesse Washingtons in seinem Politikwandel ist jedoch auf den sich in Kuba entwickelnden nichtstaatlichen Sektor gerichtet, der sich innerhalb der Aktualisierung des Wirtschaftsmodells seinen Weg bahnt und als ein Motor des erfolgreichen und nachhaltigen Sozialismus, den das Land anstrebt, anerkannt ist. Auch wenn das Weiße Haus zweifellos seine eigene Agenda für diesen Bereich hat, ist auch er in die Netze der Gesetze der Blockade verwickelt, um ihre eigenen Ziele zu erreichen.

Am 15. März kündigten die Schatz- und die Handelskammern eine neue Runde von Maßnahmen an, die die Anwendung des Dollar für einige kubanische Transaktionen lockern, aber noch ist die wahre Reichweite der Maßnahme nicht bekannt.

Am Treffen nahm Daniel Schulman teil, der kein Geringerer als der CEO von PayPal ist, dem wichtigsten Online-Zahlungsunternehmen der Welt, das im März vergangenen Jahres eine Strafe von fast acht Millionen Dollar zahlen musste, weil es kubanische Transaktionen bearbeitet hatte.

„Ich glaube, es besteht ein beiderseitiger Wille, um die Probleme zu lösen“, sagte Schulman gegenüber dieser Zeitung. Er führte aus, dass sein Unternehmen bereit sei, das Versenden von Remissen aus den Vereinigten Staaten nach Kuba weniger kostenaufwendig zu machen. „Aber wir müssen genau verstehen, welcher Spielraum uns eröffnet worden ist“.

Zusammen mit Air Force One kam auch die Anführerin von Kiva, Julie Hanna, die eine Organisation leitet, die per Internet kleinen Unternehmen in Entwicklungsländern Geld leiht.

„Wo auch immer ich in Kuba hinschaue, sehe ich Land, Zielstrebigkeit, Erfindungsgeist zur Lösung der Probleme“, sagte sie gegenüber Granma. „Mich interessieren insbesondere die Fortschritte in den Bereichen Gesundheitswesen und Landwirtschaft, die als regionale Stärken gelten können“.

Aber nicht alles sind nur Ideen, einige Unternehmen können bereits konkrete Ergebnisse vorzeigen. Brian Chesky, Präsident und Gründer von AirBnB, dem Unternehmen, das auf virtuellem Weg Unterkünfte anbietet, ist gekommen, um mit seinen eigenen Augen die Goldmine zu betrachten, die er in Kuba gefunden hat.

Während der täglichen Pressekonferenz des Weißen Hauses, die am Montag in Havanna stattfand, versicherte Chesky, dass sie über 4000 Unterkünfte in Kuba betreiben und erwarten, dass dies nur der Anfang sei.

„Kuba ist das Land, das in der Geschichte unseres Unternehmens am schnellsten gewachsen ist. Wir sind die Vertreter der Diplomatie von Mensch zu Mensch“, sagte der Führer des Unternehmens, das im vergangenen Jahr anfing, auf der Insel zu arbeiten.


ZUGANG ZU NEUEN TECHNOLOGIEN

Der Bereich der neuen Technologien ist eine weitere Priorität der Obama-Regierung, insbesondere im Fernmeldewesen.

Dabei liegt ihr Hauptaugenmerk auf dem Personal, das von der Revolution in den neuen Technologien ausgebildet wurde und es bisher nicht geschafft hat, sein Potenzial unter den gegenwärtigen wirtschaftlichen und gesetzlichen Bedingungen zu entfalten.

Kürzlich wurde bekannt, dass Kuba Eingang in das Projekt Stripe Atlas findet, das auf digitale Unternehmer ausgerichtet ist, die so genannten Startups, die ein Unternehmen in den Vereinigten Staaten gründen wollen.

Unter anderem ermöglicht Stripe, ein Bankkonto in der Silicon Valley Bank zu eröffnen, die auf technologische Unternehmen spezialisiert ist. Auf diese Weise können sie die Einnahmen für ihre Erzeugnisse erhalten und das Geld mit einem realen Bankkonto verwalten, von dem aus sie Fonds an ihre lokale Bank überweisen können.

Der Präsident des Unternehmens, Patrick Collinson, sagte während des Forums, dass sie bereits viele Nachfragen aus Kuba erhalten hätten. Viele dieser Absichten stießen jedoch auf die Tatsache, dass Tausende von Ingenieuren und Informatiker Kubas ohne Hilfe und wirksame Förderung zusehen müssten, wie sie die Barrieren der Blockade umgehen.

Víctor Manuel, der eine Reparaturwerkstatt für Mobiltelefone in Havanna leitet, versicherte gegenüber dieser Zeitung, dass noch immer viele Online-Serviceleistungen limitiert werden, die notwendig sind, um einen Service für das breite Spektrum an mobilen Geräten zu gewährleisten, die aus verschiedenen Teilen der Welt in Kuba eintreffen.

Nach seinen Worten werden viele der Geräte, insbesondere von US-amerikanischen Herstellern, bereits bei deren Fertigung mit starken Einschränkungen für Kuba ausgestattet. Víctor Manuel erklärt, dass es zum Erreichen bestimmter Funktionen notwendig sei, vermittels Informatik-Verfahren das Land zu verbergen, aus dem sie angefordert werden.

Der hervorragende kubanische Wissenschaftler Dr. Agustín Lage, Direktor des Zentrums für Molekulare Immunologie von Havanna, stellte fest, dass die Wirtschaft des 21. Jahrhunderts auf der Wissenschaft begründet ist. Obwohl er die Wichtigkeit des Austauschs auf den Gebieten der Gastronomie, Landwirtschaft und des Tourismus anerkannte, sagte er, dass beide Länder den Sprung zu Erzeugnissen mit hohem Mehrwert unternehmen sollten.

Um dieses Ziel zu erreichen, stellte er fest, sei die Zusammenarbeit im öffentlichen Sektor unerlässlich, so wie es mit jedem anderen Land der Welt der Fall sei. Die hohe Technologie befindet sich in der Mehrzahl der Länder der Welt in der Hand des Staates. „Dies zu übersehen hieße, eine große Chance zu verspielen“.