OFFIZIELLES ORGAN DES ZENTRALKOMITEESDER KOMMUNISTISCHEN PARTEI KUBAS
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Lange vor dem Sieg der Revolution war ihr Name im Land bereits zu einer Legende geworden. Als die Rebellenarmee noch nicht bestand, inmitten der Tyrannei Batistas, brachte sie an der Büste des Apostels im Park von Pilón ein Schild mit einem Ausspruch Martis an : „Damit sich ein Volk erhebt, sind nur 30 Männer vonnöten“. Eine Zeit danach, in den Tagen der Landung der Granma, verkleidet sie sich als Schwangere und geht, angesichts der freundlichen Einladung auf einen Kaffee vonseiten einiger Soldaten, die sie nicht erkennen, völlig kaltblütig in eine Kaserne, um wertvolle Information für die Bewegung des 26. Juli zu sammeln.

Celia Esther de los Desamparados Sánchez Manduley, Tochter des Arztes Manuel Sánchez Silveira und der Bürgerin aus Manzanillo Aca­cia Manduley Alsina, wurde am 9. Mai 1920 in Media Luna geboren, das heute zur Provinz Granma gehört. Sie wuchs in einer Familie auf, in der die Persönlichkeiten des Vaterlandes verehrt wurden. Ihr Vater führte sie und ihre Schwestern zu historischen Stätten wie San Lorenzo, Peralejo und Dos Ríos und regte sie an, die Werke Martis La Edad de Oro und Versos Sencillos zu lesen. Immer, wenn sie nach Havanna kamen, ging er mit ihnen zum Geburtshaus von Marti und lud sie ein, das Geländer zu berühren: „Das hat Marti mit der Hand berührt“, sagte er ihnen.

1940, als die Familie nach Pilón umzog, nahm Dr. Sánchez Silveira seine Kinder zu seinen Besuchen in der Sierra Maestra mit, damit sie das Elend dieses anderen Kuba kennen lernten und erfuhren, warum er diesen Patienten die Behandlung nicht berechnete. Celia war von der Armut der Bauern des Gebiets betroffen. Mithilfe reicher Familien organisierte sie Feste, um den armen Familien zu helfen und deren Kindern Spielzeug zu kaufen. Sie erkannte, dass Wohltätigkeit nicht ausreichte, dass eine politische Lösung vonnöten war, und trat der Orthodoxie bei. Nach dem Staatsstreich vom 10. März 1952 begriff sie, dass nun die einzige Option im bewaffneten Kampf bestand.

Wie Celia selbst berichtete, gewann der Koordinator der Bewegung des 26. Juli in Manzanillo, Manuel Echevarría, Mitte 1955 Celia für diese Organisation, in der sie nie ein Amt innehatte, aber bedeutende Aufgaben erfüllte. Unter ihrem Kriegsnamen Norma wurde sie in den Tagen der Vorbereitung der Granma-Expedition und des Beginns des Guerilla-Kampfes in der Sierra Maestra zu einer legendären Figur. Für ihr Wirken beim ständigen Verschicken von Männern und Munitionen bezeichnete sie Raul als die „offizielle Taufpatin“ der entstehenden Rebellenarmee.

In jenen Tagen wurde sie in einer Cafeteria von Campechuela, wo sie Kontakt zu einem anderen Kämpfer aufnehmen sollte, von Soldaten des Regimes entdeckt und festgenommen. „Ich gehe mir nur ein paar Kaugummis kaufen“, sagte sie zu denen, die sie festgenommen hatten. Jahre später erzählte sie dann: „Als ich aufstand und zum Verkaufsstand kam, fing ich an, zu rennen. Es gab einen sehr hohen Zaun, und über den sprang ich hinüber und fing an, zu laufen“. Die Überraschung lähmte die Soldaten. Als sie reagierten, versuchten sie, sie zu fassen und schossen in die Luft, aber Celia lief weiter wie eine Gazelle in Gefahr. Sie drang in ein Gelände voller Gestrüpp und Dornenbüschen. „Dann verhielt ich mich ganz still, damit sich das Gebüsch nicht bewegte“. Nach einer Weile, als niemand sie mehr verfolgte, kroch sie weiter zur Landstraße. Mit Zeichen hielt sie ein Auto an, das einem Bekannten gehörte und sie in ein sicheres Haus in Manzanillo brachte.

Danach wurde sie Mitglied der von Fidel kommandierten Kolonne 1 und nahm an Kämpfen wie in Uvero mit einer M-1 im Anschlag teil. Ich stimme mit ihrem wichtigsten Biografen, Pedro Álvarez Tabío überein, als er feststellt: „sie hat das historische Verdienst, die erste kämpfende Frau der Rebellenarmee gewesen zu sein und es gut gemacht zu haben“.

Seit dem Guerillakampf behütete sie die gesamte Dokumentation der Rebellenarmee und ihres Comandante en Jefe. Ihr ist zu verdanken, dass wir das haben, was heute viele das Archiv der Revolution nennen, das auch Tagebücher gefallener Kämpfer enthält.

Ihre ständige Arbeit an der Seite Fidels machte sie seit den Tagen der Sierra Maestra zu seiner engsten Mitarbeiterin. Von da an und bis zum Moment ihres Todes, am 11. Januar 1980, wurde sie zur Zeugin und aktiv Beteiligten an den bedeutendsten Momenten der Revolution in allen wichtigen Aktivitäten und den bedeutsamsten Werken, die nach deren Sieg in Angriff genommen wurden.

Wie ihr Biograf, Álvarez Tabío, ausführte, ist das Leben von Celia seit den Tagen der Granma und der Sierra „so sehr mit mit der Geschichte der kubanischen Revolution und Fidels verbunden, dass es unmöglich ist, sie voneinander zu trennen“.