OFFIZIELLES ORGAN DES ZENTRALKOMITEESDER KOMMUNISTISCHEN PARTEI KUBAS
FOTO: Beim Baseballspiel. FOTO: ARCHIV, 17. AUGUST 1964.

FIDEL passt nicht in eine Zeitung. Für uns passt er nicht mal in die Welt. Er ist für diesen gequälten Planeten einer jener Unverzichtbaren, von denen der deutsche Dichter und Dramatiker Bertolt Brecht sprach, weil Fidel zu denen gehört, die ihr ganzes Leben lang kämpfen.

Und es gäbe natürlich auch kein Stadion, in dem diese grenzenlose Humanität Platz hätte, die auch durch das Sporttreiben abgehärtet war. An der Universität von Havanna war er fast ein Alberto Juantorena über die 400 und die 800 Meter, jene Strecken, auf denen der „Elegante der Rennbahn“ bei den Olympischen Spielen von Montreal 1976 – also vor genau 40 Jahren – zum ersten Mal in der Geschichte doppeltes Gold gewann.

Im Kolleg von Belén hinterließen seine Schritte unter den Basketballkörben im Trikot mit der Nummer 6 die Spur eines großen Spielers, eines Außenstürmers von viel Ungestüm und Präzision angesichts des Korbs. Man erinnert sich seiner Auftritte im Stadion „Latinoamericano“ in Baseballspielerkluft, seiner Zuneigung zum Fischen und dem Schwimmsport, seiner Begeisterung für das Bergsteigen, eine Tätigkeit, mit der er, olivgrün gewandet, nicht nur seine Physis kultivierte, sondern aus der heraus eines der humansten Werke, die in der Welt bekannt sind, seinen Anfang nahm: die kubanische Revolution.

Vielleicht hat kein anderer dem Sportler Fidel Castro Ruz so gegenüber gestanden wie Gilberto Suárez. Dieser in Jamaika Geborene hatte in einem improvisierten Boxring in Fidels Geburtsort Birán den damals 17jährigen zum Gegner, der später einmal zum scharfsinnigsten Guerillaführer werden sollte. Suárez wich einigen Schlägen aus und veranstaltete eine Boxgala mit dem, womit er seinen Lebensunterhalt verdiente. Der Jamaikaner schlug Fidel einen Haken in den Magen und machte so der Angelegenheit ein Ende, streckte ihn jedoch nicht nieder. Er verwandelte sich später in einen wahrhaftigen Champion einer der großen revolutionären Errungenschaften, die von seinem „Rivalen“ in die Wege geleitet wurden. Er wurde Lehrer, unterrichtete Gesang, Sport und die englische Sprache.  

Suárez ist die Widerspiegelung eines Volkes, das die Bedeutung des Sportes in ungeahnte Höhen erhob, weil dessen Führer wie kaum ein anderer den Wert dieser sozialen Ausdrucksform verdeutlicht hat. Am 19. November 1961 sagte er, dass „der Sport nicht nur zur körperlichen Gesundheit beiträgt, nicht nur der Charakterbildung dient, nicht nur dabei hilft, Menschen von Geist und physischer Stärke zu schmieden, sondern auch das Volk ermutigt, es unterhält und glücklich macht”.

Fidel selbst war ein Beispiel. „Niemand weiß, wie viel Nutzen der Sport und die Übungen ins Leben bringen. Wir haben Erfahrung darin. Wir hatten die Gelegenheit, Sport zu treiben und der Sport hat uns in vielen Phasen geholfen. Die Sportarten, die wir praktizierten, halfen uns in den harten Momenten des revolutionären Kampfes, als wir in Wäldern leben mussten und enormen körperlichen Belastungen ausgesetzt waren”, versicherte er im September 1964 und beteuerte an gleicher Stelle: „Der Sport und die Leibeserziehung werden nicht den Studien den Raum wegnehmen, sondern vielmehr die Studien der Schüler verstärken.”

Über diese Ideen hinaus zementierte sich der Sport als ein Recht des Volkes und in diesem Licht entwickelte sich die Weltmacht. Als es noch kaum Sportlehrer und Sportarten gab, als diese Begriffe gerade mal 0,25 % der Bevölkerung erreichten, sagte er – im März 1961 –, dass „der Sport sich zu einer Aktivität entwickeln wird, so populär und allgemein, dass seine Dimensionen sich möglicherweise viele nicht einmal vorstellen können”.

Mehr als 50.000 Hochschulabsolventen; Sportschulen in allen Provinzen, die Sportuniversität, das Institut für Sportmedizin, das Antidoping-Laboratorium, über 12.000 Einrichtungen für die Durchführung des Sportunterrichts ab dem ersten Schuljahr ließen das Unvorstellbare Wirklichkeit werden. Kuba steht auf dem 18. Platz im historischen Medaillenspiegel der Olympischen Spiele, es ist die einzige lateinamerikanische Nation unter den ersten 20 und eine der 94 von den 206 im IOC, die in den 120 Jahren dieser Spiele Goldmedaillen gewonnen haben, eine der 18, die 70 oder mehr Olympiasiege verbuchen konnten, eine der 21 mit mehr als 200 Positionen auf dem Siegertreppchen und die einzige der Dritten Welt, die in fünf Fällen einen Rang unter den ersten Zehn belegen konnte.

Stets vorausschauend, schrieb Fidel in „Für die Ehre der Goldmedaille”, einer Reflexion vom 24. August 2008: „Wir haben uns auf den Lorbeeren ausgeruht.” Diese Worte waren nichts Neues. So hatte er schon wesentlich früher gemahnt – als Teil der Quelle der Ideen, zu der wir immer wieder zurückkehren müssen, wenn wir das Erreichte bewahren wollen. Im Oktober 1975, als er sich bei der siegreichen Delegation der Panamerikanischen Spiele in Mexiko aufhielt, sagte er bereits: „Uns nicht auf unseren Lorbeeren auszuruhen, ist das Erste, was wir in der Stunde unserer Siege beachten müssen.” Heute, im Sport wie in anderen Bereichen, bleibt dies eine Maxime.

Und in einem Gespräch mit jungen Athleten am 22. Oktober 1973 schenkte er uns einen Satz, den er gewiss auch noch mit der ewigen Jugend seiner 90 Lebensjahre wiederholen würde: „Wenn ich in dieser Zeit geboren wäre – wisst ihr, was ich dann sein wollte? Sportler.”