
Am 29. März 1990 schenkte Kuba der Welt eine unglaubliche Geschichte der Solidarität, Würde und Menschlichkeit, als der Comandante en Jefe Fidel Castro Ruz die erste Gruppe von 139 Kindern am internationalen Flughafen José Martí in Havanna empfing. Diese Kinder litten an verschiedenen hämatologischen und onkologischen Erkrankungen, Folgen der bis dahin schwersten Nuklearkatastrophe der Menschheitsgeschichte, die sich vier Jahre zuvor im Reaktor 4 des Kernkraftwerks Tschernobyl in der damaligen Ukrainischen Sozialistischen Sowjetrepublik ereignet hatte.
Diese erste Gruppe wurde im Institut für Hämatologie in Havanna und in der onkologischen Abteilung des Kinderkrankenhauses Juan Manuel Márquez behandelt.
So begann das beispiellose kubanische Programm zur umfassenden medizinischen Versorgung der vom Atomunglück betroffenen Kinder. Dies geschah, obwohl Kuba Anfang der 1990er-Jahre infolge des Zusammenbruchs des ehemaligen sozialistischen Blocks in Osteuropa – ein Einfluss, dem sich selbst die wenige Monate später zerfallende Sowjetunion nicht entziehen konnte – und der opportunistischen Verschärfung der kriminellen Wirtschafts-, Handels- und Finanzblockade durch die US-Regierung gegen das kubanische Volk in eine tiefe Wirtschaftskrise geriet. Dennoch verkündete die Revolutionsregierung neben den Stufen der IL-62-Maschine ihre Bereitschaft, mindestens 10.000 Kinder aufzunehmen und ihnen eine hochspezialisierte Behandlung zukommen zu lassen. (1)

Kubas Reaktion auf die Bitte der Sowjetunion um internationale Hilfe erfolgte prompt. Anfang 1990 reisten kubanische Experten in die Ukraine, um das Ausmaß des Problems und die Art der möglichen Hilfe zu ermitteln. Die medizinischen und politischen Vertreter, die die Experten begleiteten, machten deutlich, dass mehr Patienten versorgt werden mussten, woraufhin beschlossen wurde, die Zusammenarbeit auszuweiten.
Das Hauptquartier des Programms wurde im Kinderkrankenhaus Tarará im gleichnamigen Stadtteil östlich von Havanna, 27 Kilometer vom Stadtzentrum entfernt, eingerichtet.
Dieser Stadtteil erstreckt sich über 11 Quadratkilometer und umfasst 520 Wohnhäuser, Krankenhauseinrichtungen und Verwaltungsgebäude. Er verfügt außerdem über einen 850 Meter langen, unberührten weißen Sandstrand, an dem sich laut dem berühmten US- Schriftsteller Ernest Hemingway „der beste Pier Havannas“ zum Angeln befindet.
Das Internationale Pionierlager José Martí, das seit 1976 in der Stadt ansässig war, wurde von mehr als drei Millionen kubanischen Kindern besucht.
Die Bevölkerung Havannas beteiligte sich freiwillig und mit großem Enthusiasmus an der Instandsetzung all dieser Häuser. Bereits im Juni 1990 wurden Kinder aus Russland, Belarus und der Ukraine aufgenommen.
Am 28. November 1997 sagte Fidel Castro in einer Rede zum Abschluss des VI. Internationalen Seminars für Primärversorgung:

„Allein Kuba hat mehr Kinder aus Tschernobyl versorgt als alle anderen Länder der Welt zusammen. Die Massenmedien im Norden berichten nicht darüber. Fast 15.000 Kinder! Auch wir haben dabei Erfahrungen gesammelt.“
Die modernsten Ressourcen der kubanischen Medizin wurden eingesetzt, um den Kranken zu helfen: Ärzte, Psychologen, Krankenschwestern, Pflegehelfer, Lehrer, Sportlehrer und weiteres Personal, die sich ganz der Betreuung dieser Kinder widmeten.
Hunderte Leben wurden gerettet, und Tausende fanden auf kubanischem Boden Linderung von Schmerz und Leid. „Die Wiedergeburt eines Kindes ist außergewöhnlich; das ist Kuba zu verdanken“, sagte die ukrainische Mutter Swetlana Saulaski 20 Jahre nach dem Unfall gegenüber Granma International. „Kein Land hat uns so geholfen wie Kuba“, bekräftigte die ukrainische Ärztin Elena Topka am selben Tag im Campamento Tarará.
DIE NEDIZINISCHEN DIENSTLEITUNGEN DES UMFASSENDEN PROGRAMMS WAREN IN DREI MEDIZIISCHE VERSORGUNSEBENEN GEGLIEDERT:
— Primäre Versorgungsstufe: Umfassende medizinische Versorgung durch Hausärzte und Pflegekräfte im häuslichen Umfeld. Die Behandlungen fanden in verschiedenen klinischen Bereichen unter Beteiligung von Psychologen, Dolmetschern und anderen medizinischen Fachkräften statt.
— Sekundäre Versorgungsstufe: Versorgung im Kinderkrankenhaus Tarará mit seinen stationären und ambulanten Bereichen.
— Tertiäre Versorgungsstufe: Leistungen in verschiedenen Kinderkrankenhäusern in Havanna sowie in spezialisierten und hochmodernen Instituten und Zentren, wie beispielsweise dem Institut für Hämatologie und Immunologie, dem Kardiologischen Zentrum des Kinderkrankenhauses William Soler, dem Internationalen Zentrum für Neurologische Rehabilitation (CIREN) und dem Zentrum für Plazentahistotherapie.
Der interdisziplinäre Ansatz dieses Programms mit der Beteiligung verschiedener kubanischer staatlicher Einrichtungen und Institutionen ermöglichte seine erfolgreiche Umsetzung.
EIN WERK DER LIEBE
Kuba war das einzige Land, das ein umfassendes, umfangreiches und kostenloses Gesundheitsprogramm für die vom Reaktorunfall in Tschernobyl betroffenen Kinder organisierte. Dieses Programm, das über zwei Jahrzehnte lief, behandelte zwischen 1990 und 2016 26.114 Menschen, darunter etwa 23.000 Kinder, um ihnen bei der Genesung von den verheerenden Folgen der Nuklearkatastrophe zu helfen. (2)
Das Programm ermöglichte die Diagnose von Patienten mit Erkrankungen des endokrinen Systems, vorwiegend Schilddrüsenhyperplasie. Am häufigsten wurden Erkrankungen des Verdauungssystems, gutartige Lymphadenopathie, Erkrankungen des Hals-Nasen-Ohren-Bereichs und, in geringerem Maße, Hauterkrankungen wie Vitiligo, Alopezie und Psoriasis diagnostiziert.
Unter den Augenerkrankungen waren Fehlsichtigkeiten weit verbreitet; auch Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen wurden behandelt.
Diese gewaltige Anstrengung der kubanischen Medizin, die von einigen einflussreichen Persönlichkeiten auf diesem Planeten stets ignoriert oder verschwiegen wird, ermöglichte die Heilung und Rehabilitation Tausender Kinder, deren Hoffnungen zuvor oft enttäuscht worden waren oder denen anderswo auf der Welt Behandlungsmöglichkeiten verwehrt geblieben waren. Die meisten der in Kuba behandelten Kinder mit onko-hämatologischen Erkrankungen erfreuen sich weiterhin bester Gesundheit.
Das umfassende medizinische Versorgungsprogramm Kubas für die vom Tschernobyl-Unfall betroffenen Kinder ist ein Beispiel dafür, was ein Land, selbst ein kleines Entwicklungsland, erreichen kann, wenn es – unabhängig von seinen wirtschaftlichen Ressourcen – über qualifizierte Fachkräfte verfügt, die in der Lage sind, sich den vielfältigsten und komplexesten Gesundheitssituationen zu stellen, sowohl auf der Insel als auch in anderen Ländern.
Deshalb sagte Fidel bei einer Sonderansprache am 16. April 2001 anlässlich des 40. Jahrestages der Proklamation des sozialistischen Charakters der Revolution: „Ohne den Sozialismus wären 19.000 Kinder und Erwachsene aus den drei Republiken, die 1986 von der Nuklearkatastrophe von Tschernobyl betroffen waren, in Kuba nicht versorgt worden, die meisten von ihnen während der Sonderperiode (...).“
Es ist wichtig, sich daran zu erinnern, dass Kuba, das politisch und wirtschaftlich unter der Belagerung einer Supermacht wie den Vereinigten Staaten, in den Jahren der Revolution in dr Lage war,, 407.419 seiner Gesundheitsfachkräfte zu entsenden, um die Körper und Seelen von Millionen verarmter Menschen in 164 Ländern zu heilen, denen es medizinische Hilfe leistete. (3)
Darüber hinaus ermöglichte Kubas Erfahrung in der medizinischen Versorgung von Kindern in Tschernobyl dem Land, auch anderen bedürftigen Völkern Beratung und medizinische Hilfe zukommen zu lassen. Darunter befinden sich 53 brasilianische Patienten, die durch den Umgang mit einer Cäsium-137-radioaktiven Quelle in der Stadt Goiânia geschädigt wurden.
Vor wenigen Tagen wurde die Wiederaufnahme dieses Solidaritätsprogramms angekündigt: 50 Kinder aus der Ukraine werden dieses Jahr nach Kuba reisen.
Die erste Gruppe wird spezialisierte Behandlungen für Hautkrankheiten und Krebs erhalten, während eine zweite Gruppe, die unter anderem an Zerebralparese leidet, voraussichtlich Ende des Jahres eintreffen wird
. Die kubanische Revolution mit ihrer selbstlosen medizinischen Hilfe für die Kinder von Tschernobyl ist Ausdruck eines gewaltigen politischen Willens, Leben zu retten, wo immer es auch sein mag, und von Prinzipien, die auf Solidarität und der Entwicklung eines humanistischen Gewissens im Menschen beruhen, was sehr gut mit dem lateinischen Sprichwort des Publius Terentius Africanus übereinstimmt, der im fernen Jahr 165 v. Chr. sagte: "Homo sum, humani nihil a me alienum puto" ("Ich bin ein Mensch, nichts Menschliches ist mir fremd").
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IM KONTEXT:
Tschernobyl: Eine Stadt in der Nordukraine, 130 Kilometer nördlich der Hauptstadt Kiew und 20 Kilometer vom Kernkraftwerk Tschernobyl entfernt, dessen Reaktor am 26. April 1986 die schwerste bekannte Nuklearkatastrophe verursachte.
Ein unzureichend überwachtes Experiment löste eine unkontrollierte Reaktion aus, die zu einem massiven Dampfaustritt führte. Die Reaktorsicherheitshülle wurde zerstört, und etwa 100 Millionen Curie radioaktiver Nuklide wurden in die Atmosphäre freigesetzt. Ein Teil der Strahlung verteilte sich über Nordeuropa und erreichte sogar Großbritannien. Laut damaligen Angaben der Behörden starben 31 Menschen infolge des Unfalls.

Mehr als 100.000 ukrainische Bürger wurden aus den Gebieten um das Reaktorgelände evakuiert, und Tschernobyl sowie andere nahegelegene Regionen blieben nach dem Unfall ein Jahr lang unbewohnt. (4)
Die Katastrophe verseuchte ein Gebiet von etwa 140.000 Quadratkilometern, in dem rund sieben Millionen sowjetische Bürger lebten, und verursachte eine Welle strahlenbedingter Erkrankungen in dem Gebiet, das Teile dreier Republiken der UdSSR umfasste: Ukraine, Russland und Belarus. (5)
(1)http://www.fidelcastro.cu
(2)http://www.cuba.cu
(3) http://www.granma.cu
(4) http://www.fidelcastro.cu
(5) https://actualidad.rt.com








