OFFIZIELLES ORGAN DES ZENTRALKOMITEESDER KOMMUNISTISCHEN PARTEI KUBAS
Gary Webb im Jahr 1997. Photo: The New York Times

Der US-Journalist Gary Webb war möglicherweise der erste, der das Internet nutzte, um CIA Operationen anzuklagen, aber ihm war nicht das „Glück“ von Edward Snowden oder von Julian Assange beschieden. Man fand ihn am 17. Dezember 2004 tot in seinem Haus in Kalifornien auf, sein Gesicht zerstört durch zwei Schüsse des Kalibers 38. Die Polizei vertrat die abwegige Theorie, dass er sich die beiden tödlichen Verletzungen nacheinander selbst zugefügt habe.

Acht Jahre zuvor, als er für die Tageszeitung San José Mercury News in ihrer digitalen Form gearbeitet hatte, legte er in einer Reihe von Artikeln offen, wie die CIA in den 1980er Jahren Tonnen von Crack in den Armenvierteln von Los Angeles verkaufte und das Geld daraus dafür benutzte, den Krieg der Contra in Nicaragua zu unterstützen, bei dem es damals darum ging, die sandinistische Regierung in Nicaragua zu stürzen.

In seinen Artikeln enthüllte er zum ersten Mal, wie der Fluss des Kokains verlief, das von den Armeestützpunkten in El Salvador mit Flugzeugen dieses Landes zu US-Militärflughäfen befördert wurde, wo es unter offiziellem Schutz ausgeladen wurde, um dann an Organisationen von Drogenhändlern verteilt zu werden, die unter der Kontrolle von Geheimdiensten vor Ort standen.

Seine journalistischen Untersuchungen basierten auf freigegebenen Dokumenten der CIA und auf Zeugenaussagen von Beteiligten an dieser Operation. Darunter befanden sich Ricky Ross und „Chico Brown“, bedeutenden Drogenhändler der Westküste der USA, die unter dem Schirm der CIA operierten und „Cele Castillo“, ehemaliger Offizier der Antidrogenagentur (DEA), Zeuge bei der Einführung des Rauschgifts und Autor des Buches „The Powder Burns“ (Das Pulver brennt), in dem diese verdeckten Aktionen beschrieben werden.

In der Artikelreihe wurde belegt, dass die Chefs der nicaraguanischen Contra ein Netz von Drogenhändlern in Los Angeles organisierten und über den bereits erwähnten Ricky Ross Tonnen von Kokain an zwei Banden verteilten, die Crips und die Bloods. Die CIA und die DEA schauten währenddessen weg.

In den Artikel beschrieb Webb die Rolle der Drogenhändler, die von Luis Posada Carriles und dessen Komplizen Félix Rodríguez Mendigutía, der CIA-Agent, der in die Ermordung von Che involviert war, die der Brüder Ingacio und Guillermo Novo und weiterer Terroristen kubanischer Herkunft, die von den Regierungen von Ronald Reagan und George Bush geschützt wurden. Dort machte sich der Journalist gefährliche Feinde und sah sich außerdem der offiziellen Aggressivität seiner Regierung ausgesetzt.

Die CIA reagierte mit einer Kampagne, mit der man Webb völlig diskreditierte. Man behauptete, seine Untersuchungen würden auf falschen Spuren und unsachlichen Verschwörungstheorien basieren. In einem Interview wurde Webb 1997 gefragt, warum er das Risiko eingegangen sei, die verdeckten Aktionen der CIA mit dem Drogenhandel zu veröffentlichen. Er antwortete darauf: „Weil es die Wahrheit ist. Das ist das Wesentliche. Man schlägt die journalistische Laufbahn doch genau aus diesem Grund ein. Wenn ich mich geirrt hätte, würde ich das zugeben, aber dem ist nicht so. Die Leute müssen die Fakten erfahren, nicht nur, um zu verstehen, was passiert ist, sondern auch, um Rechenschaft darüber zu fordern.Diese Operation brachte Tausende und Abertausende von Kilos an Kokain in die Vereinigten Staaten, in die Ghettos. Und bis heute hat niemand Rechenschaft darüber verlangt.“

1997 musste er die San José Mercury News verlassen und er fand keine Arbeit mehr in den Medien. Aber 1999 nahm er das Thema wieder auf und veröffentlichte ein Buch mit dem Titel „Dark Alliance: The CIA, the Contras, and the Crack Cocaine Explosion“, in dem er seine Anklagen wiederholte und das eine große Wirkung auf die öffentliche Meinung weltweit hatte.

Das Thema führte zu einem Bericht des Generalinspekteurs der CIA über den Drogenhandel, das die CIA entlastete. Das Repräsentantenhaus beschäftigte sich unter der Führung des Leiters des Geheimdienstausschusses Porter Goss damit, der nach einer kurzen Anhörung entschied, dass die Behauptungen „falsch“ seien. Später wurde Goss von der Bush Regierung zum Direktor der CIA ernannt.

Kurz bevor Webb mit 49 Jahren starb, hatte er einem Freund gesagt, dass er überwacht werde. Im Augenblick seines Todes war Webb dabei, eine neue Untersuchung über die Verbindung Drogenhandel-CIA vorzubereiten. Das besiegelte sein tragisches Schicksal.