OFFIZIELLES ORGAN DES ZENTRALKOMITEESDER KOMMUNISTISCHEN PARTEI KUBAS
Von rechts nach links Stephen Jones und Chris Parker, zwei der unerwarteten Helden des Attentats von Manchester. Foto: The Sun

Zwei Obdachlose aus Manchester traten aus ihrer Anonymität, nicht wegen ihrer beklagenswerten Lage, sondern wegen ihrer Menschlichkeit. Wieder einmal vertauschen sich die Rollen und das, was unbedeutend war wird plötzlich bekannt.

Am 22. Mai waren die Taschen von Chris Parker und Stephen Jones leer und für sie bestand wenig, wenn nicht überhaupt keine Möglichkeit, ihr Leben zum Bessern zu verändern.

Für sie war die Ansammlung von Teenagern in Begleitung der Eltern beim Konzert von Ariana Grande in der Manchester Arena eine ausgezeichnete Gelegenheit, mit Betteln zu etwas Geld zu kommen und mit etwas Glück eine Schlafgelegenheit zu finden.

Aber dann brach die Massenflucht über sie herein, die Verletzten, die Toten, der Horror...

Die von einem Selbstmörder verursachte Explosion warf Parker zu Boden, aber er beschloss in die entgegengestzte Richtung zu laufen, die die Menge in Panik einschlug. Er brachte die Blutung eines Mädchens zum Stillen, das gerade seine Beine verloren hatte und umarmte eine Frau, die in seinen Armen starb.

„Sie war 60 Jahre alt und mit ihrer Familie gekommen. Ich konnte nicht mehr aufhören zu weinen“, erzählte er später vor dem Presseverband des Vereinigten Königreichs.

Jones wurde von einem donnernden Krach aufgeweckt, als er in unmittelbarer Umgebung des Stadions schlief. Inmitten der allgemeinen Panik trieb es ihn dazu, sich dem Stadion zu nähern. Mit einigen Schwierigkeiten gelang es ihm Nägel aus den Armen zweier Verletzter zu entfernen, die aus der Explosion des selbstgemachten Sprenkörpers stammten.

Der Vorfall führte dazu, dass eine beträchtliche Anzahl von Menschen innerhalb und außerhalb des Vereinigten Königreichs etwas zur Behebung der Armut ihrer Mitbürger tun wollten. Die erste war wahrscheinlich Chris Parkers eigene Mutter, die schon einige Jahre ohne Nachricht von ihm war und sagte, sie sei „unheimlich stolz“ auf ihn und wolle in dringend wiedersehen.

„Jemand, der etwas so Uneigennütziges tut wie er, verdient, dass man ihm hilft“, erklärte Dave Sullivan, einer der Eigentümer des Fußballvereins West Ham.

Er sicherte zu, sechs Monate lang die Miete für eine Wohnung von Stephen Jones zu zahlen, ihm Kleidung zu kaufen und eine Arbeitsstelle zu verschaffen, während gleichzeitig im Internet Websites entstanden, die Geld für die beiden unerwarteten Helden sammelten.

Etwas, was dabei in den Hintergrund geriet war die Frage, warum zwei offensichtlich gesunde hochherzige Männer über ein Jahr unter solchen Bedingungen leben mussten. Auch dass Jones immer wieder betonte, dass Menschlichkeit nichts mit sozialem Status zu tun habe, schien nicht weiter zu interessieren. „Nur weil ich obdachlos bin, bedeutet das doch nicht, dass ich kein Herz habe“, sagte Jones im Londoner Fernsehkanal ITV. „ Ich würde gerne glauben, das jemand mir hilft, wenn ich einmal in eine Lage gerate, in der ich Hilfe benötige“, fügte er hinzu.

Mit Recht sagt man, dass Tragödien das beste und das schlechteste aus dem Menschen herausholen. Die von Manchester hat die Gutherzigkeit zweier Obdachlose ans Tageslicht gebracht und die von denen, die jetzt, davon bewegt, bereit sind ihnen zu helfen. Aber es zeichnet auch mit großer Schärfe die Natur eines Systems, das zwar die Freiheit hervorhebt, aber die zu kaufen und zu verkaufen. Wenn du also an dieser merkantilen Gleichung nicht teilhaben kannst, bist du ganz einfach übrig.

Die Armut von Jones und Parker ist relativ anders als die ihrer „Kollegen“ in Afrika, Lateinamerika oder Südostasien, aber gleichermaßen trostlos und traurig.

„Dieser Elende, der an dir in Lumpen gekleidet vorbeikommt, hat heute morgen das erfahren, was gestern in Korea geschehen ist“, sagte der spanische Schriftsteller Rafael Barrett zu Beginn des XX. Jahrhunderts und wies so auf ein Paradox der Moderne hin, die zwar in der Lage ist Informationen zu sozialisieren, aber nicht Reichtum. Und als ob er heute sprechen würde, fuhr er fort: „Das ist sehr schön, aber er hat Hunger und der Mensch ist sein Feind, wie im Zeitalter der Höhlen.“

Chris Parker und Stephen Jones haben entgegen der Unmenschlichkeit des Kapitalismus gehandelt und die Welt daran erinnert, dass es weder Terrorismus noch extreme Armut geben müsste: im ersten Fall mordet man im Namen des Fanatismus und des Hasses und im zweiten verurteilt man zum Tode und zur Ausgrenzung in grausamster Anonymität.