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Quartett der Medaillengewinner, Mexiko 1968 (Foto: Zeitschrift JIT)

Die Olympischen Spiele von Mexiko 1968 waren die ersten, die in Hispanoamerika ausgetragen wurden.

Olympische Sportveteranen aus Kuba und Mexiko liefen am vergangenen Samstag durch die Straßen der Altstadt von Havanna, wobei sie die original olympische Fackel trugen, die mexikanische Athleten damals in die Hauptstadt Mexikos zu den Olympischen Spielen 1968 getragen hatten.

Nach dem Umzug durch Havanna wurde die Fackel den Offizieren der mexikanischen Marine überreicht – auf dem Dock, an dem das Schulschiff Cuauhtémoc liegt, das der Insel einen einwöchigen Besuch abstattet.

Die Fackel wird zum mexikanische Hafen Veracruz gebracht, von wo aus sie denselben Weg zurücklegen soll wie vor 50 Jahren.

Ein Blick auf den damaligen Event

„Ich denke, dass die Olympischen Spiele von Mexiko 1968 für jeden einzelnen der 138 kubanischen Sportlern und Sportlerinnen, die daran teilnahmen, eine Zäsur zwischen einem „davor“ und einem „danach“ bedeutete. Es sind viele Erinnerungen damit verknüpft, besonders für die Frauen und Männer der beiden Sprintstaffeln, die jeweils Silber holten“, erzählt der Kurzstreckenläufer Hermes Ramírez.

Kuba nahm an seinen dritten Spielen unter den fünf Ringen seit dem Triumph der Revolution 1959 teil.

„Wir kamen in der mexikanischen Hauptstadt an, als man den ersten Jahrestag der Ermordung des Che beging und wo es zehn Tage vor Beginn des sportlichen Großereignisses auf dem Tlatelolco Platz ein Blutbad unter Studenten gegeben hatte, die für soziale Gerechtigkeit demonstriert hatten“, berichtet er weiter.

Trotz der Situation wurde beschlossen, nach vorn zu blicken und am Nachmittag des 12. Oktober wurde die erst 20jährige Läuferin Enriqueta Basilio die erste Frau der olympischen Geschichte, die die Flamme entzündete.

„Jenes majestätische Stadion wurde fortan Zeuge sportlicher Großtaten und Rekorde. Man erinnere sich an unsere Sprintstaffel, die im Semifinale ihre bisherige Bestleistung von 38,8 auf 38,3 verbesserte. Im Endlauf war dann die siegreiche US-Staffel mit 38,2 nur um ein Zehntel schneller“, schwärmt er immer noch.

Außer ihm selbst waren noch der inzwischen verstorbene Pablo Montes, Juan Morales und Enrique Figuerola in der Staffel. Letzterer, der schon vier Jahre zuvor in Tokio Silber über die 100 m gewonnen hatte, fungierte als Schlussläufer.

„Aber die Mädchen taten es uns gleich. Fulgencia Romay, Violeta Quesada, Miguelina Cobián und Marlene Elejalde holten in ihrem Finale ebenfalls Silber“, fährt er fort.

„Wir gaben unsererseits auch alles, nur Minuten nach den Männern. Wir waren sozusagen aufgewärmt. Das Ergebnis, das sie erreicht hatten, war uns eine Inspiration. Wir liefen 43,3 im Endlauf, womit wir den Rekord der Sowjetinnen aus dem Halbfinale übertrafen“, erinnert sich Miguelina Cobián.

Übertroffen wurde das Frauenquartett der Größten der Antillen nur von der US-Staffel in 42,8 Sekunden.

„Es war viel die Rede von der Höhe über dem Meeresniveau, die im Falle von Mexiko-City immerhin 2240 Meter beträgt, aber diese Verhältnisse waren für alle gleich. Diejenigen, die bis zu 800 m liefen, profitierten von der dünneren Luft. Wer dagegen sprang oder warf, bekam sie natürlich schon zu spüren. Aber ich wiederhole: Diese Bedingungen galten für alle gleichermaßen. Bei einigen – bei mir selber auch – wurden die Nasenschleimhäute trocken“, erzählt Fulgencia Romay.

Die Flamme wurde über die Trittleiter des Schulschiffs Cuauhtémoc, das zur Flotte der Vereinigten Staaten von Mexiko gehört, Figuerola und anderen Vertretern der sportlichen Abordnung der Insel übergeben.

Sie wird zunächst nach Veracruz und von dort nach Mexiko-City mit seinem monumentalen Stadion weiterreisen, das Standort des Gipfels und Abschlusses der Feierlichkeiten sein wird, die im Januar begannen.

„Wir hatten uns seinerzeit in Santiago de Cuba vorbereitet. José Llanusa und Manuel González Guerra, die Präsidenten des INDER und des Nationalen Olympischen Komitees, führten die Delegation an“, erinnert sich Lázaro Betancourt.

„Wir hatten das Privileg, im selben Szenarium zu sein, in dem die US-Läufer Tommie Smith (Gold) und John Carlos (Bronze) bei der Siegerehrung ihren berühmt gewordenen Protest der Black Power Bewegung inszenierten, der zu ihrem Ausschluss aus dem Olympischen Dorf führte und in dem sich unser Freund Aurelio Janet als erster kubanischer Speerwerfer für ein Olympiafinale qualifizierte“, hebt er hervor.

„Natürlich genossen wir auch große Momente wie die Weltrekorde der US-Amerikaner James Hines mit 9,95 Sek. über 100 m und Bob Beamon mit 8,90 m im Weitsprung. Hines war derjenige, der die Schallmauer von 10 Sekunden brach“, betont er.

Die anderen beiden Silbermedaillen für die kubanische Delegation holten 1968 Enrique Regüeiferos und Rolando Garbey im Boxen.

Wie der Gastgeber stellte Kuba hier Teilnehmer in allen 11 Gewichtsklassen, aber nur die beiden obigen gewannen Medaillen. Garbey verlor seinen Endkampf glatt mit 0:5 gegen den sowjetischen Boxer Lagutín, Olympiasieger von Tokio, während Regüeiferos sich – durchaus umstritten – mit 2:3 gegen den Polen Kulej, Olympiasieger von Tokio auch er, geschlagen geben musste.

5.516 Athleten und Athletinnen aus 112 Ländern nahmen an diesen ersten in Lateinamerika ausgetragenen Spielen teil.

Die Veranstaltung hatte auch insofern Pioniercharakter, als zum ersten Mal die Übertragungen via Satellitenfernsehen in die Wohnstuben der Sportbegeisterten gelangten. Auch der Einsatz einer Zielfotografie, die Unterschiede von Hundertstelsekunden registrierte, war etwas Neues. Zur Anwendung kamen auch unveröffentlichte Proben, die zum ersten Mal in der Sporthistorie eindeutig das Geschlecht der Teilnehmer bestimmten.

1968 in Mexiko gelangte ein neuer olympischer Geist in die Welt des Sports. Millionen Menschen machten ein großes Fest aus dem Event, ebenso wie dieses Jahr das halbe Jahrhundert gefeiert wird, das seit dem Entzünden jener Fackel vergangen ist, die auf ihrem Weg zum Land der Azteken in Kuba Station machte.

Quelle: JIT